17.2.2026. Ganz ehrlich, bei dem Wetter muss ein Jeck Karneval schon wirklich mögen, um zum Dellbrücker Dienstagszug zu kommen. Wie die gut 200 großen und kleinen Menschen, die mit Regenschutz und einem Lachen im Gesicht dennoch von der Hagedornstraße aus über den Mauspfad, Auf der Jüchen, Talstraße, Grafenmühlenweg, Von-Quadt- und Marthastraße, Im Fichtenhain, Erna-, Urnen-, Hünen- und Dellbrücker Hauptstraße laufen. Und Kamelle und Strüßjer werfen an die vielen Närrinnen und Narren, die am Straßenrand rufen und schunkeln und sich auch von Wind und Schauern das bunte Karnevalstreiben nicht, doch, das Wortspiel muss sein, verhageln lassen.








Am Dienstag zuvor hatten die Schülerinnen und Schüler der vier vierten Klassen an der Thurner Straße gemeinsam die 800 Kamellebüggel gepackt. Für die meisten ist es ein Höhepunkt ihres Abschlussjahres, wenn sie die Arbeitsstraßen entlanglaufen und die Beutel befüllen dürfen. Oder hinter den Tischen mit Gummibärchen, Brause oder Erdnussflips stehen und abzählen, wie viel sie an ihr jeweiliges Gegenüber abgeben, „zwei-vier-sechs-acht-zehn-zwölf-vierzehn-sechzehn-achtzehn-zwanzig“, murmelt ein Schüler immer und immer wieder vor sich her während er die Gummibärchen abzählt. Zwei Schulstunden lang. 80 bis 100 Teile Wurfmaterial gibt es pro Beutel, wie viele es genau pro Session sind, entscheidet der jeweilige Kamellepreis, fünf Euro kostet die Tüte diesmal.







Am Baggagewagen holen sich Mütter und Väter, Kinder und Großeltern die Beutel während des Zugs ab. Drei Ehemalige helfen als Kamelleläufer aus, halten Jutebeutel auf beim Umfüllen der Tüten, transportieren Nachschub durch die Reihen. Vorbei an den Jecken in den metallicfarbenen Ponchos, die lila, blau, grün oder golden glänzen. Dazu haben sich die Teilnehmenden Zylinder gebastelt, auf denen das Motto der Gruppe abgebildet ist: „Mer fiere 125 Johre Urnenstroß“. Mit einem Bild des denkmalgeschützten Schulgebäudes am Standort Urnenstraße, der 125 und bunten Glitzercocktailschirmchen.






Das Jubiläum wird die KGS am 25. April mit einem Schulfest feiern. Und damit auch ein wenig in die Dellbrücker Geschichte blicken. 1901 war die katholische Volksschule an der Schulstraße 7 eröffnet worden, die heute Urnenstraße heißt. Damals lag sie noch nicht in Köln, sondern im 931 Menschen zählenden sogenannten Wohnplatz, wie die Siedlung damals hieß, und gehörte zur Bürgermeisterei Merheim. Das, was heute Dellbrück ist, entstand erst vier Jahre später, als im Jahre 1905 Dellbrück, Thurn, Strunden und Hagedorn zusammengelegt wurden. Gemeinsam wurden sie als Dorf Dellbrück 1914 zu Köln eingemeindet. Über die Jahre änderte sich die Schulform mehrmals, erst seit 1976 gibt es die heutige KGS mit ihren beiden Schulstandorten und der Verwaltung am Standort Thurner Straße. 125 Jahre Schulgeschichte also, und damit ist die KGS älter als der Dellbrücker Dienstagszug, der seit 1905 geschichtlich verbürgt sei, wie der Festausschuss auf seiner Homepage schreibt.






Aber in die Jahre gekommen? Sind beide nicht. Der Dienstagszug war 1901 seiner Zeit ganz offensichtlich schon voraus. Als Motto habe er „vor allem die schlechten Wegverhältnisse in Dellbrück“ angeprangert, heißt es auf der Homepage weiter. Na, und um die Schlaglöcher, da müssen die Jecken auch im aktuellen Dienstagszug manövrieren. In vielen haben sich Pfützen gebildet, pladdern die Regentropfen ins Nass, als die 39 Gruppen des Dienstagszugs an ihnen vorbeiflanieren. Gruppe 9, die KGS, mit den 200 großen und kleinen Jecken darunter. Von denen sich manche ganz augenscheinlich nicht entscheiden können, ob sie die Leckereien nun wirklich alle ins Publikum werfen oder doch lieber noch etwas selber naschen wollen. Das haben sie sich aber auch verdient, denn wenn sich ein Jeck bei dem Wetter noch in den närrischen Lindwurm stellt, dann hat er auch Kamelle verdient.
Verena Bettels
























































